24. Februar 2010

Neues Kapitel

Die Teilnehmer sind wieder in ihren Ländern angekommen, der Campus ist gefüllt mit der nächsten Generation von Teilnehmern, Weihnachten und Silvester sind schneelos an mir vorbeigerauscht und das neue Jahr ist mittlerweile auch überhaupt nicht mehr so neu. Dennoch hoffe ich, dass ihr alle wohlbehalten im 21. Jahrhundert - Kapitel 10 angekommen seid.

Die Abschlussfeier


Der offiziell letzte Tag der "Reise in fünf Akten", wie das akademische Jahr hier auf dem Campus bezeichnet wird, brach ziemlich schnell herein und war im Nachhinein auch ziemlich schnell vorüber. Zwei Wochen Vorbereitung machten das Fest zu einem vollen Erfolg und Spaß für alle Beteiligten. Gegen zwei Uhr durften wir die geladenen Gäste am Sonntag den 13.12.2009 begrüßen. Es bildeten sich kleine Gesprächsgruppen, die sich heftig über die letzten Ereignisse austauschten, sowohl auf Englisch als auch auf Malayalam, bis sie letztendlich ins Amphitheater zum Beginn der Zeremonie gerufen wurden. Robert und ich hatten uns für den Anlass auffällig in Schale geworfen. Unsere traditionell indischen Gewänder aus Rohseide und Glitzersteinchen kamen überall gut an.


Neben der Zeremonie gab es im ehemaligen "Café in the Dark", das nun zum "Movie Theatre" umgestaltet worden war, den Film "20 Journeys, 10 Destinations" zu sehen, den Robert und ich geschnitten hatten.


Nachdem etliche Preise, Auszeichnungen und Abschlusszeugnisse vergeben wurden, der Bildungsminister von Indien und der Maharaja von Travancore Reden gehalten hatten; nachdem Paul und Sabriye sich für die tolle Teamarbeit bedankt hatten und die Presse ihre Photos für die "Hindu" und die Kerala eigene Zeitung geschossen hatten und der Abend an uns vorbei rauschte, war es Zeit für das großangelegte Buffet. Von Schwein zu Rind gab es so viele Leckereien, dass wir nach dem Schmaus erst einmal eine Stunde verdauen mussten, bevor wir uns, frohen Mutes auf die Tanzfläche mit Liveband schwingen konnten. Ein schöner und gelungener Abschluss, der sämtliche seiner Mühen wert war.

Der nächste Tag war dafür umso trauriger, da die Zeit gekommen war sich zu verabschieden. Eine Woche voller Tränen, Umarmungen und Sachenpacken. Die meisten der Teilnehmer konnten natürlich NICHT mit ihren eingepackten 45 Kilo schweren Koffern ausreisen und mussten daher noch am Flughafen die Sachen nach Prioritäten ordnen und sich von großen Teilen der Ladung verabschieden. So ging auch die letzte Woche vor Weihnachten vorüber.


Meine Reise ins Land des Lächelns - Thailand

Wie Ihr wahrscheinlich alle mitbekommen habt, hatte ich vor Weihnachten - mehr oder weniger spontan - beschlossen 13 Tage in Thailand zu verbringen. Für einen der 60 € - Flüge war es leider schon zu spät, weshalb ich ein wenig mehr ausgeben musste.

Los ging es am 25. Dezember. Heilig Abend hatte ich mit Sabriye, Paul, Pynhoi und Khom (die beiden letzten Teilnehmer, die noch bis zum 31. Dezember geblieben sind) und Amelia in Kovalam bei einem schönen Abendessen zelebriert. Allerdings hatte ich schon ein komisches Gefühl das Fest der Liebe nicht bei meinen Liebsten zu verbringen.

Mein erster Aufenthalt, Colombo, erwies sich zwar von der Unterkunft her als außerordentlich komfortabel, doch von der Stadt an sich konnte ich außer einer 30 minütigen Autofahrt nicht wirklich viel genießen. Der Abend mit extravagantem Dinner im Hotelrestaurant - für mich als Gast von Srilankan Airlines alles komplett kostenfrei - ging schnell vorüber, sodass ich am nächsten Morgen früh weiterreisen konnte.

Bangkoks Dächer aus meinem Guest House


Angekommen in Bangkok, Guest House gefunden, Nachtmärkte erkundet. Bevor es für mich weiter in Richtung Süden gehen konnte, musste ich einen Tag auf die übrigen Freiwilligen warten, mit denen ich mich zusammentun wollte. Daher hatte ich genug Zeit mir Bangkok ein wenig anzusehen, das Palastgelände zu genießen, die Khao San Road, die als Touristenviertel von aller Welt besucht wird, abzuklappern und Thaigerichte zu verschlingen.

Longtail Fischerboot auf Kho Tao


Obwohl ich mir eigentlich fest vorgenommen hatte, nicht unbedingt in die Touristengebiete zu fahren, sondern lieber die Landschaft zu erkunden, war meine Thailandreise mehr ein "Inselhopping". Bis Silvester verbrachte ich meine Tage am Strand von Kho Tao, habe einen Scuba-Dive Kurs gemacht, und mich zusammen mit meiner "Freiwilligen-Crew" in Bars amüsiert. Am 31. Dezember ist unser Team dann, kurzfristig und nicht wirklich vorbereitet, nach Kho Phangan aufgebrochen. Phangan, die Nachbarinsel Kho Taos, ist vor allem für ihre Vollmondparties bekannt. Der Grund dafür, dass wir das neue Jahr dort feiern wollten, war derselbe, der etliche weiter Touristen aus aller Welt zur gleichen Zeit auf das kleine Eiland trieb: Dieses, beziehungsweise letztes, Jahr war die Silvesternacht eine Vollmondnacht. Somit fiel die allseits berüchtigte Vollmondparty auf die Silvesterparty. Mit 50.000 Menschen haben wir am Strand gefeiert. Die Menge war so groß, dass wir uns in der Nacht alle verloren haben, und morgens, mehr oder weniger unpünklich, seperat an unserem Treffpunkt ankamen.


Die folgenden und für mich letzten 6 Tage verbrachten wir getrennt. Jeder ging seine Wege. Mich verschlug es über Kho Samui, nach Krabi und von dort nach Kho Phi Phi, wo der anscheinend ziemlich berühmte Film (dem Lonely Planet zufolge) "The Beach" gedreht wurde. Diese supertouristische Insel hat, außer wahnsinnig hohen Preisen, nicht viel zu bieten. Nicht einmal die Strände waren ihr Geld wert. Für die Thailand-Insel-Begeisterten kann ich eigentlich nur das vergleichsweise günstige Kho Tao empfehlen.

Sonnenuntergang auf Kho Tao


Meine letzte Nacht habe ich wieder in Bangkok verbracht, sodass ich am späten Abend des 6. wieder Richtung Sri Lanka fliegen konnte.


Wenn mich im Nachhinein jemand fragen würde, was mich an Thailand am meisten beeindruckt hat, würde mein erste Gedanke nicht den prunkvollen goldenen Palästen, dem azurblauen klaren Wasser oder den Stränden aus dem Bilderbuch gelten, sondern eher der Unzahl an Menschen, die mir Gastfreundschaft schenkten, die mit mir um Sachen verhandelt haben, einzig um der Verhandlung willen, und die mir aus Lebenslust zulächeln konnten.

Der Nordstrand von Phangan


Zweitausendzehn


Im neuen Jahr habe ich bereits einen Haufen erlebt. Seit dieser Generation von Teilnehmern, bin ich quasi befördert worden. Vom Freiwilligen zum Catalyst. Für die Teilnehmer bin ich daher nun Mathe Lehrer. Mein Schwerpunkt liegt vor allem auf Prozentrechnung, also Zins, Zinseszins und Zinseszinseszins, aber auch auf Brüchen und Algebra. In den Mathestunden muss ich vor allem an die Mathestunden denken, in denen ich auf dem Stuhl saß und Frau Siebeneck erklären lassen durfte, wofür man eigentlich Matrizen und Gauß‘sche Verfahren braucht und wie Herr Pythagoras uns das Leben vereinfacht hat. Aber erst jetzt weiß ich die Arbeit eines (Mathematik-) Lehrers wirklich zu schätzen. Man muss nicht nur Stunden vorbereiten, sondern sie auch auswerten, sich kreative Unterrichtsverfahren einfallen lassen, damit der Kurs nicht einschläft, und nebenbei möglichst kontinuierlich gut gelaunt und motiviert sein. Wer hört schon Menschen zu, die selbst gelangweilt sind, von dem, was sie erzählen?! Allerdings sind die Teilnehmer überaus wissbegierig und haben Spaß an dem, was wir zusammen erarbeiten. Ein wenig trickreich wird es, wenn ich versuche zu erklären, warum man Brüche übereinander schreibt, wie man kürzt und erweitert und so weiter, da den meisten der visuelle Sinn fehlt.

Kaprie, Lijodi, Michael und Simon mit der Nationalflagge Zimbabwes


Es ist ein schöner Sonntag und Kerala wird es von Tag zu Tag heißer. Von Februar bis Mai herrscht hier die "heiße Saison", in denen man diesen Teil der Welt möglichst nicht betreten sollte. Die Temperaturen steigen tagsüber bis zu 35 Grad an (im April wird es wohl noch wärmer). Durch die hohe Luftfeuchtigkeit ist das Klima manchmal wirklich unerträglich. Die meisten von Euch sitzen jetzt wahrscheinlich, eingepackt in zwei Pullover, im Kalten und fragen sich, wie man sich über Hitze beschweren kann.


Heute Morgen bin ich früh aufgebrochen. Um 5 Uhr habe ich mich mit zwei Freunden, Amelia aus Australien und Murali aus Kerala, die mit mir zusammen im IISE arbeiten, getroffen, um spazieren zu gehen. Klingt wahrscheinlich ein wenig komisch, doch für die Inder ist das eine tägliche Gewohnheit. Die Hindu-Familien stehen gegen halb 5 auf, um die Häuser zu putzen. Es gilt als hinduistischer Brauch, dass das Haus vor Sonnenaufgang geputzt und sauber ist. Während sich also die Hausfrauen an die Arbeit machen, gehen die Männer aus dem Haus, um sich im Morgengrauen die Füße zu vertreten. Die meisten treffen sich dann in den Chai-Shops, bei einem Glas Tee, um die Tagesthemen aus der Zeitung zu besprechen. Egal wie früh man aufsteht, es sind immer schon andere Menschen wach, die bereits fegen, Straßenhunde mit Steinen jagen, Chai bestellen, oder einfach nur spazieren gehen.


Einfach zu Spazieren war uns allerdings ein wenig zu simpel, daher haben wir beschlossen die Eisenbahnschienen entlang zu laufen und herauszufinden wie weit wir kommen. Gegen halb 10 hat uns dann die Sonne in die Knie gezwungen. Den ganzen Morgen sind wir gegangen, vier Stunden, konnten allerdings nur 15 Kilometer zurücklegen. Wir haben Tunnel passiert, haben Flüsse auf den Bahnbrücken überquert. Das Schwierigste war jedoch das Gehen an sich: Entweder man balancierte auf den Schienen, oder lief von einem Schienenträger zum nächsten. Links und rechts der Strecke gab es überwiegend nur Büsche. Die Strecke war wenig befahren. Da die meisten Züge aus dem Norden nur bis Trivandrum fahren, sind wir nur auf 4 Züge gestoßen. Dennoch waren wir nicht die einzigen, die ihre Knöchel im Morgengrauen quälten. Auf den Schienen waren Menschen unterwegs, die jeden Morgen auf diesem Weg zur Arbeit laufen. Viele hatten kleine Körbe oder Krüge auf den Köpfen, gefüllt mit Tapioka, Chili, Bananen, Kokosnussöl und anderen Gewürzen.


Murali und ich haben beschlossen von nun an öfter auf den Schienen zu laufen.


Sana und Babar aus Pakistan geschmückt mit Hawaii'schen Halsketten


Samrawit aus Ethiopien


Waseem aus Bangalore (India)


7. Dezember 2009

Nachträglich einen frohen Nikolaus!

nichtsahnend lese ich gerade die Nachrichten im Internet, um erstaunt festzustellen, dass die Zeit mit großen Schritten voraneilt, sodass ich Schwierigkeiten habe hinterherzukommen: Es war Nikolaus. Und ich hab's verschlafen! Mein Sonntag sah ungefähr so aus:

4:00 PM: Ich rege mich in meinem Bett. Es ist Sonntag und daher ein freier Tag, um meine Träume mal zu Ende zu träumen. Da ich in der Nacht auf Sonntag erst gegen 5:00 AM zuhause war, um ein Jury-Mitglied für die Abschlussfeier der Teilnehmer am Sonntag abzuholen.

5:00 PM: Letztendlich konnte ich mich dazu zwingen unter die eiskalte Dusche zu springen.

6:00 PM: Die Nudeln, die Robert und ich uns im Haus gekocht hatten - ja, wir haben uns Küchenutensilien gekauft, um unabhängig vom Küchenpersonal des Campus zu überleben - waren köstlich. Die Tomatensoße schmeckte ganz wie bei Mutti.

7:00 PM: Die Sonne ist schon untergegangen, bevor ich überhaupt realisieren konnte, dass sie bereits am Himmel gestanden hatte. Ich entscheide mich dazu, diesen sinnvollen Tag mit einem Film zu beenden. Obwohl ich gerade erst aufgestanden bin, fühle ich schon wieder die Müdigkeit. Wahrscheinlich hervorgerufen, durch die Nacht, die schon hereingebrochen ist. Unglaublich, wie schnell die Tage vergehen.

Soviel zu meinem Nikolaus. Ich hoffe, dass ihr alle einen aufregenderen, effizienteren sechsten Dezember verbracht habt!

Nächsten Sonntag steht, wie schon gesagt, die Abschlussfeier und die Graduation an. Zu diesem Anlass finden sich derzeit viele internationale Gäste auf dem Campus ein. Spender und Freunde des Projektes kommen, um in dieser Woche als Jury für die Reden der Teilnehmer zu fungieren. Diese finden von Montag bis Freitag, von 3:00 PM bis 6:00 PM statt und sind, zusammen mit den Proposals der Projekte, die letzten auszuwertenden Arbeiten der zukünftigen Projektdirektoren.

Letzten Sonntag - es ist schon wieder ein wenig her - stand wieder ein Ausflug mit dem Campus Team, das bedeutet den Teilnehmern und den Catalysts, an. Wir sind nach Ponmudi gefahren, um ein Picknick bei den Wasserfällen zu genießen und anschließend die Berge der Western Ghats zu bezwingen.

Um zu den Wasserfällen zu gelangen, mussten wir jedoch zuerst durch den Urwald. Mit Rucksack auf dem Rücken, und Kamera bewaffnet ging es dann für mich über Stock und Stein, Über Hügel und durch Täler, bis hin zu einem reißenden Fluss von mindestens 20 Meter breite, der überquert werden musste. Zum Glück hatten wir einen Führer und eine Halteseil, dank dessen wir die Wasser gefahrenlos überqueren konnten.

Spätestens seit diesem Tag glaube bin ich davon überzeut, dass Blindheit zwar eine Einschränkung, jedoch keine Behinderung ist. Ein paar Teilnehmer hatten Schwierigkeiten beim Abstieg, doch allgemein war unsere Hilfe fast überflüssig.

Die Aussicht der Western Ghats war traumhaft! 1000 Meter, nicht gerade hoch für ein Gebirge, doch ausreichend hoch, um ein angenehmeres gemäßigtes Klima genießen zu können. Gemeinsam durften wir alle den Sonnenuntergang in den Bergen bei leichtem Wind erleben.
Auf dem Rückweg haben wir uns mit einem Chai (Tee) an einem kleinen Straßenstand gestärkt und waren am Ende des Tages wieder heil und erschöpft in unseren Betten.

Die letzte Woche war sehr stressig. Da das Jahr nun auf das Ende zuläuft, müssen allerlei organisatorische Dinge erledigt werden, und der Campus ist in Hektik. Ich bin gespannt auf die Reden, auf die Gäste, jedoch jetzt schon traurig, wenn ich daran denke, dass die Teilnehmer, die für mich schon zum alltäglichen Leben gehören, und manche wirklich Freunde geworden sind, bald zurück in ihre Heimat fahren. Doch bis dahin ist es zum Glück noch ein kleiner Schritt, und ein wenig Arbeit...





Gruppenfoto in den Western Ghats - Phil an der Kamera



Mo und ich



Die Liberia-Gang Victor und Johnson untersuchen das Wasser



Gompo, Khom und Kyila


Mo in der Abendsonne


Die Aussicht nach Osten

6. November 2009

Die Teilnehmer

Es ist jetzt über einen Monat her, seitdem ich zum letzten Mal ein paar Worte in diese virtuelle Zeitschrift getippt habe, und es ist eine Menge passiert, von dem ich in dem heutigen Eintrag berichten möchte. Zu Beginn sei allerdings gesagt, dass es mir Leid tut, dass ich euch so lange hab warten lassen.

Nachdem die Phase des Wartens, die sich die ersten zwei Monate meines Aufenthalts breit machen durfte, mit Ankunft der Teilnehmer um den sechsundzwanzigsten September ihren Abschluss gefunden hatte, fand sich wieder Leben, aber auch eine Menge Arbeit auf dem Campus ein.
Komischerweise war die Ankunft der Teilnehmer eher ein fließender Übergang von "leerer Campus" zu "voller Campus" und anstatt einer großen Wiedersehensfeier, wie ich es, um ehrlich zu sein, mir vorgestellt hatte, gab es nur kleine sich aufregend unterhaltende Gruppen.

Der erste Montag brachte auch die erste GA (General Assembly), also eine Vollversammlung, die um 7 Uhr morgens - viel zu früh für meine Gewohnheiten - stattfindet, mit sich. Robert und ich wurden auf die Bühne gerufen und durften uns vorstellen. Die Tatsache, dass ich noch nie wirklich in Berührung mit der Blindheit stand, erstaunte die meisten. Eigentlich war ich selbst darüber erstaunt; ich hatte bislang nicht die leiseste Ahnung, wie das Leben für blinde Menschen "aussieht".

Schnell habe ich mich in das Campusleben mit den Teilnehmern einfügen und mittlerweile habe ich hier schon Freundschaften schließen können. Die Teilnehmer kommen von überall von der Welt; aus Liberia, Sierra Leone, Ghana, Kenya, Saudi Arabien, Nepal, Tibet, Indien, Norwegen und Deutschland. Jeder hat seine individuelle Geschichte zu erzählen. Der Campus war komplett.

Blood Donation Day

Vor ungefähr 5 Wochen, am ersten Oktober, fand der internationale Blutspendetag statt, den der Campus gebührend feierte. Karin aus Norwegen hatte ihr Praktikum bei Terumo Penpol gemacht, einem Unternehmen, das medizinische Ausstattung herstellt; darunter fallen auch diese kleinen Plastikbeutel, in denen das Spenderblut aufbewahrt wird. Zusammen mit dieser Firma hat Karin ein großes Fest organisiert, um den Tag zu celebrieren und zur Blutspende in Indien aufzurufen. Der Tag war ein großer Erfolg für Karin, für uns Spender und für die gute Intention, die hinter dem ganzen stand.

Das Fest war für den kompletten Tag geplant. Wie sich für mich herausstellte ist Sabriye eine begnadete Rednerin, die sowohl mit Witz, als auch mit viel Gefühl das Publikum in ihren Bann zog. Weitere Reden folgten von wichtigen Ministern bis hin zu Asif Ali, einem berühmten Malayalam-Moviestar.

Am Ende des Tages haben Robert und ich sogar zwei Luftballons von drei kleinen Mädchen bekommen, die uns schon den ganzen Tag beobachtet haben. Die Aufschrift: "Don't forget us". Ein rührendes Erlebnis.

Ein paar Tage später stieß übrigens ein neuer Freiwilliger zu unserem IISE-Team. Sein Name ist Talal, er ist 17, und eigentlich weiß er selbst nicht einmal genau, wo er herkommt. Er ist in Frankreich geboren, spricht mit seiner Familie daher französisch, lebte dort 6 Jahre, bevor er weitere 6 Jahre in Indonesien gelebt hat. Mit 12 ist er nach Californien gezogen, und hat dort bis vor kurzem ein Internat besucht. Sein Vater ist der President von McKinsey - einige von euch kennen diese riesige Consultingfirma wahrscheinlich - im Mittleren Osten. Seine Eltern leben daher in Dubai.
Eigentlich ist er ein echt super Kerl, aber im Moment verdächtige ich ihn meine Schokolade aus unserem Gemeinschaftskühlschrank stiebitzt zu haben. Er leugnet es zwar, aber die Spuren führen zu ihm...

Veli

Die Wochenenden stehen allen Beiteiligten frei. Solche Gelegenheiten nutzen wir gern, um gemeinsame Ausflüge zu machen, sofern das Budget des Social Clubs es zulässt. Da die meisten Teilnehmer aus Entwicklungsländern und eher armen Familien stammen, haben sie nicht genügend Geld, um jede Woche Ausflüge zu unternehmen. Der Social Club ist eine Sparkasse, die wöchentlich aufgefüllt wird, wenn die Teilnehmer ihren sozialen Verpflichtungen, wie Essensausgabe, Abwasch, Waschzeiten einhalten, etc. gewissenhaft nachkommen. Für eine erfolgreiche Woche gibt es maximal 500 Rupien in den Social Club; das entspricht etwa 8 Euro.

Vor drei Wochen war es dann so weit das Sparschwein für einen gemeinsamen Strandausflug nach Veli zu köpfen. Veli ist ein wunderschöner Strand etwa eine dreiviertel Stunde von Vellayani, das Dorf in dem ich lebe, entfernt. Der Bus war ein recht ordentliches, sauberes Gefährt, ganz im Gegensatz zu den öffentlichen Verkehrsmitteln, das uns sicher an unser Ziel brachte.

Bevor man in Veli den Strand erreicht führt der Weg durch Grünanlagen, die für Touristen erbaut sind, und an großen Skulpturen vorbei. Trotz der indischen Mentalität und Kultur waren ein paar der überlebensgroßen Büsten und Körper doch wirklich nackt. Die Blinden hatten natürlich allerlei Spaß an den Steinfiguren herumzutasten und zu klettern. Dies ging allerdings nur solange gut, bis uns ein unfreundlicher Sicherheitsmann von den Steinwerken pfeifen musste. Beleidigt schlugen wir unser Picknicklager also neben den Figuren auf. Spaß hatten wir dennoch weiterhin!


Nach der Stärkung, von der ich heute noch schwärme, da sie aus italienischen Leckereien wie Salami, Käse und Brot bestand, die Isa von ihrem Urlaub mitgebracht hatte, machten wir uns weiter auf den Weg in Richtung Strand. Dass wir unsere reguläre Straßenkleidung anhatten, fiel uns allen auch erst auf, nachdem wir schon durch und durch nass im seichten Wasser standen. Ein paar von uns hatten mitgedacht und wenigstens Handtücher dabei gehabt. Einige andere mussten jedoch herumfragen, ob zufällig jemand, in weiser Voraussicht, zwei Handtücher eingepackt hatte, oder wenigstens ein Stück seines Handtuches entbehren könne.
Talal, Robert, Martin, Mohammed und ich haben mit einer Sandale, die wir gefunden hatten, noch ein wenig Beach-Rugby gespielt. Solange, bis mir die Rippen und Talal der Fuß weh taten.

Die Sonne war schon langsam am Untergehen, als ein paar Reiter am Strand ihren Pferden die Sporen gaben. Zum Glück hatte ich meine Kamera zur Hand und konnte ein paar schön Photos schießen.

Backwaters in Kollam

In Kerala gibt es viele Seen und mitunter auch eine riesige Ansammlung von Wasser im Landesinnern, das nicht direkt mit dem Meer an der Westküste Indiens in Berührung kommt. Diese Flüsse, Seen und Teiche, die miteinander verbunden ein schönes Touristenziel abgeben, nennt man hier die Backwaters. Ungefähr eine Woche nach unserem Veli-Trip haben wir von Tiffany's Vaters eine Bootstour in Kollam spendiert bekommen. Der ganze Campus, war natürlich überglücklich; und so machten wir uns, frohen Mutes, am Morgen des 17.10. mit einem Bus, der von innen eher die Ausstattung eines Flugzeuges bot, auf nach Kollam.

Zweieinhalb Stunden und ein paar lustige internationale Lieder später kamen wir dann an unserem Ziel an: Das Regent Palace Hotel, von dem wir mit einem Zubringer weiter fahren sollten, lag vor uns. Die Einrichtung des Hotels war mehr als prunkvoll, die Decken waren hoch und verziehrt. Hier verweilten wir noch kurz, um auf Robert zu warten, der nicht mit uns gefahren war, da er das Wochenende eigentlich mit Talal in Varkala verbringen wollte.

Mit einem kleineren Bus wurden wir von dort abgeholt und weiter, durch kleine Wohnsiedlungen und Wälder, zum Ablegesteg gefahren. Der kleinere Bus war echt unbequem und eng im Gegensatz zu unserem Vorherigen, der uns wohl ein wenig zu sehr verwöhnt hatte. Von dort brachte uns ein Boot aus Holz und Stroh zu einer kleinen Insel, die für uns den Tag lang als Aufenthaltsort diente. Von dort aus konnten wir mehrmals mit dem Boot auf die Backwaters fahren und bekamen wirklich gutes westlich-östliches Essen serviert.

Die Bootstour war überaus erholsam. Neben uns rauschte das Wasser, während wir auf einem höhergelegten Deck eines alten Metall-Plastikdampfers die Sonne genossen. Vögel flogen an uns vorbei, um nach Fischen zu fischen, Fischer auf rostigen Fischkuttern verfolgten das selbe Ziel durch anderes Vorgehen. Leider war die Bootstour nicht wirklich lang genug, um auch die kleinen Nebenarme der Gewässer zu befahren. Daher blieben wir hauptsächlich auf den großflächigen Seen, auf denen wir den Anblick der entfernten Dschungel direkt an denUfern genießen konnten.

Den Tag habe ich größtenteils mit Kyila und Pynhoi verbracht und Hängematten in Beschlag genommen. Unsere Hotspot-Insel sah aus, als wäre sie einem Urlaubskatalog entsprungen. Kleine Bungalows der Insel waren weiß bemalt und mit großen Glaswänden bestickt, Palmen wuchsen aus dem weißen Sand, durch den sich schmale Holzstege schlängelten, Hängematten waren von Palme zu Palme gespannt und um uns herum befand sich weites Wasser.
Ein Tag, den ich besimmt noch lange in Erinnerung behalten werde.

Seit neustem, also nicht einmal einer Woche, haben wir noch eine vierte Freiwillige bekommen. Sie heißt Amelia und ist die Tochter von Robert Christie, dem Presidenten der Robert Christie Foundation, die hier einen großen Spendenbeitrag zum Bau des IISE geliefert hat. Sie hat uns schon einmal mit ihrer Familie zusammen vor ein paar Wochen besucht und fand die Atmosphäre hier so schön, dass sie beschlossen hat, einen Teil ihrer Semesterpause hier zu verbringen. Ich habe im Moment nicht viel mit ihr zu tun, aber sie setzt sich sehr für die Teilnehmer ein und ist ein herzensguter Mensch!

Aufgrund meiner langen Blogpause hätte ich eigentlich noch viel mehr zu erzählen. Das bewahre ich mir dann allerdings für den nächsten Eintrag auf, der dieses mal garantiert nicht so lange auf sich warten lässt...





Eine kleine typische Seitenstraße




Teilnehmer ertasten das Stroh-Bambus-Dach unseres Kutters in Kollam





Mo und Martin





Auf dem Weg nach Kollam





Erste Reihe: Julius, James, Eric, Yoshi, Alica, Victor
Zweite Reihe: Johnson, Kyila, Holy, Pynhoi, Hussni
Dritte Reihe: Amjad, Robert, Phil, Martin

19. September 2009

Hochzeit!

Letzten Sonntag durften Robert und ich zum ersten Mal Zeugen einer indischen Hochzeit werden! Nachdem wir schon auf der Verlobungsfeier einen scheinbar guten Eindruck hinterlassen haben, wurden wir von Salini zu ihrer Hochzeitsfeier in der St. George Orthodox Church, ungefähr zweieinhalb Stunden nördlich von Trivandrum, eingeladen. Wir zwei machten uns also morgens auf den Weg, hatten keinerlei Probleme das eher dörflich aussehende Städtchen Kottarakara zu finden, und kamen frohen Mutes an der Kirche an. Was uns allerdings etwas erstaunte war der lilafarbene Anstrich und das recht bunte Auftreten der Kirche. Ich glaube, ich habe noch nie eine so farbenfrohe, teils kitschige, Kirche gesehen.
Das Gelände war klein und der Friedhof, der genau neben dem Kirchenschiff angelegt war, wurde
durch keinerlei Zäune abgetrennt, sondern war frei begehbar. Die Gräber, die größtenteils mehrere Generationen einer Familie beinhalteten, waren mit massigen Eisenketten verschlossen.


Der Hergang der bald auf unsere Ankunft folgenden Zeremonie war lang und sehr ausgiebig. Die Frauen wurden schon gleich zu Anfang von den Männern getrennt und befanden sich in der rechten Seite des Schiffes; die Männer demnach in der linken. Leider konnte ich nicht viel von den Gebeten und Lobgesängen verstehen. Die Musik war jedoch vollkommen anders, als man es, gewöhnt an den europäischen Kirchengang, erwartet hätte: Anstatt einer Orgel gab es ein Keyboard, anstatt von hohen Pfeifentönen gab es elektronische Samples und Beats und anstatt des Gemeindechors gab es Sprechgesang. Ich war verdutzt und konnte erst nach gefühlten zehn Minuten glauben, dass diese Musik, die mich eher an die Musik eines DJs aus den '90ern erinnerte, wirklich Teil der Hochzeit war. Andere Länder, andere Sitten.

2 Stunden später - es gab in der Kirche keine Sitzmöglichkeiten - waren wir umso glücklicher über die lange Tafel, die uns nun dasselbe Essen, das uns schon an Onam serviert wurde, präsentierte.
Die Hochzeit war, wie es in Indien immer noch üblich ist, eine Zwangshochzeit. Das Brautpaar sah daher auch nicht ganz glücklich aus.

Im Laufe der letzten Woche durfte ich meinen Ordnungstick (gilt übrigens nicht für Räume, in denen ich lebe) wieder voll ausleben und das Intranet auf den neusten Stand bringen, Flüge für
die kommenden Teilnehmer suchen, veranschaulicht darstellen (man bekommt hier die Daten kunterbunt zusammengewürfelt von den Fluggesellschaften) und Berichte archivieren.

Das Wetter ist immer noch sprunghaft und richtet sich scheinbar nicht nach den Naturgesetzen: Während der Monsunzeit ist es möglich, dass es auch bei scheinbar blauem Himmel anfängt zu regnen. Teilweise regnet es auch aus hellen Wolken, und manche Schauer kommen mit Getöse, fegen 5 Minuten über alles hinweg, was nass werden kann, und sind dann auch schon wieder verschwunden.

Nun wartet der nachmittägliche Kaffee auf mich!

शीघ्र फिर मिलेंगे...




Eins von den Kindern, die in der Nachbarschaft wohnen.


Robert und ich vor der Kirche



Unser stets treuer Rickshaw-Fahrer Jayen mit seiner Tochter


St. George Orthodox Church


Unsere Lead-Catalystin Nora

5. September 2009

Happy Onam!

Alles Gute zum Onam! In Kerala ist zur Zeit ein altes Volksfest im Gange. Dabei verehren die Einwohner des Staates einen alten König, der Frieden, Gerechtigkeit und Wohlstand über Kerala gebracht haben soll. Er war Anhänger der Dämonen, die in der Zeit hier gelebt haben sollen.
Das Fest dauert zehn Tage. Jeden morgen kommen Kinder und Erwachsene früh zu ihren selbstgebauten Bambushütten und legen dort vor einem aufgestellten Altar Blumenbilder aus.
Letzten Samstag haben die Angestellten des IISE auch auf dem Campus das Onam-Fest celebriert. Gemeinsam haben wir ein Blumenbild ausgelegt, die Köche haben sich verkleidet und wir sind durch die Straßen als Parade gezogen.
Nach dem vielen Tanzen und Lachen sind wir gegen Nachmittag zu einem großen Onam-Mal zusammengekommen und haben uns die traditionellen Gerichte schmecken lassen. Wie immer war alles schön scharf, aber dennoch köstlich.
Besonders gefallen hat mir ein Nachtisch, der vom Geschmack her an Karamelsoße herankommt, der mit Nudeln und gematschten Bananen gegessen wird.
An diesem Tag konnte ich ganze 900 Photos schießen!

Dienstag und Mittwoche sind hier regionale Feiertage. Die Gelegenheit haben Robert und ich genutzt und sind mit dem Zug Richtung Norden gefahren. Nach circa einer dreiviertel Stunde kamen wir in Varkala an. Varkala ist ein schöner kleiner Ort direkt an den Klippen. Joseph, mein persönlicher Lieblingskoch, hatte uns vorher ein Zimmer bestellt. Da er in Varkala früher gearbeitet hatte, kannte er noch die ein oder andere Unterkunft und konnte uns so faire Preise aushandeln. Für 400 Rupees haben wir uns im "Dreams Beach Resort" ein Zweibettzimmer
mit gigantischer Dusche geteilt. Der Ort ist zwar sehr touristenlastig, doch zur Zeit ist dort überhaupt nichts los. Leider gibt es außer der wundervollen Aussicht auf das Meer auch nicht allzuviel zu sehen, bis auf mindestens 100 kleine Krämerläden, die alle ausnahmslos das gleiche verkaufen: hässliche T-Shirts, Laken, Teppiche, Muscheln und Holzfigürchen. An den Preisen erkennt man allerdings, dass hier keine Einheimischen kaufen.
Nach einem gemütlichen Abend in einem Klippencafé, einem entspannten Strandtag und vielen netten Gesprächen, ging es auch schon wieder zurück nach Vellayani.

Trotz Onam gab es in den letzten zwei Wochen viel zu tun für die beiden Freiwilligen im IISE, denn die Einladungsschreiben waren noch nicht fertig. Stolz können wir dafür nun aber sagen: Es ist FAST geschafft...

Gestern hat uns einer der Catalysts wieder verlassen. Nachdem Isa und Amjad für 5 Wochen in den Urlaub gefahren sind, ist nun auch Rajesh für 50 Tage wegen Rückenbeschwerden auf Kur-Tour in den Norden Keralas gefahren. Dort soll es die besten Ayurveda-Behandlungen geben. Das möchte ich in nächster Zeit auch ausprobieren.
Bevor Rajesh jedoch gefahren ist, hat er uns noch zwei Adressen hiergelassen:
Für eine Yogaschule und für eine Hindischule. In der nächsten Woche werde ich mich dort mal
erkundigen!

Gestern abend haben wir uns erneut in Kovalam herumgetrieben und zum Abschluss ein superleckeres Abendessen gehabt. Heute werden wir entweder nach Veli - ein Strand in Trivandrum - oder hier auf dem Campus bleiben, um mit Srikuman, ein sehr junger Angestellter, schwimmen zu gehen...



Hier noch ein paar Bilder:

Das Freiwilligen-Haus, in dem ich zur Zeit wohne. Mein
Zimmer befindet sich im Erdgeschoss in dem hinteren Teil des Hauses.



Joseph, verkleidet als der Dämonenkönig von Kerala



Die drei anderen Köche als Tiger verkleidet beim Tanz



Die große Tafel beim Onam-Festessen



Die Hütte Nabulai, der schönste Ort auf dem Campus

24. August 2009

Engagement Ceremony


Am Anfang der letzten Woche wurden Robert und ich spontan zu Shalinis - sie ist für die Sauberkeit des Campus zuständig und leitet ein 3-köpfiges Reinigungsteam - Verlobungsfeier eingeladen. Am Donnerstag morgen war die komplette Crew des IISE am Haupttor des Campus versammelt, um gemeinsam Richtung Kirche aufzubrechen. Das Bild zeigt (von links nach rechts) Philipp (19), Isa (37) und Robert (20) kurz vor dem Aufbruch. Die beiden Freiwilligen hatten sich perfekt abgesprochen und traten im Partnerlook auf, was den Übrigen viel Freude bescherte.

Nach einer viel zu langen Autofahrt stiegen wir dann direkt vor einem großen Hotel zu 6 aus dem kleinen Auto von Rajash. Die Fotographen und Kameramänner waren sofort zur Stelle und fotographierten und filmte uns, was das Zeug hielt. Für mich, wie auch für die meisten anderen, war das die erste indische Verlobungsfeier, der ich beiwohnen durfte. Shalinis Freunde, darunter auch Robert und ich, durften während der Feier in der ersten Reihe sitzen und dem traditionellen Gebet lauschen.

Interessant waren die beiden riesigen Stühle, fast schon von Throncharakter, im Hintergrund, auf die sich allerdings nie jemand gesetzt hat.

Das Essen war typisch indisch: Scharf! Daher konnten wir Freiwilligen leider nicht allzuviel von dem Fisch, dem Huhn, und der Samba (Keralas Hauptspeise) kosten.

Nach der Feier sind Rajash, Amjad, Isa, Robert und ich noch weiter zu einem der Teilnehmer gefahren, um ihm einen Überraschungsbesuch zu schenken. Während er gerade im Bad war, schlichen wir uns als angekündigten anonymen Besuch in sein Zimmer und setzten uns in verschiedene Ecken. Amjad hatte uns erzählt, dass Hussni (aus Saudi Arabien) blind sei, und uns daher nicht wahrnehmen könne. Als Hussni aus dem Bad kam, schien er uns bemerkt zu haben. Auf die Frage "Who are you?" verhielten wir uns nur ganz ruhig. Auf einmal fing Amjad an loszulachen. Hussni ist nur teilweise blind und konnte uns klar sehen. Nach den ersten unangenehmen Minuten konnten wir uns allerdings frohen Mutes mit ihm über sein Praktikum unterhalten.

Gestern waren Robert und ich am Strand in Kovalam. Der Strand besteht aus schwarzem Sand und die Wellen haben Höhen von circa vier Metern. Und mitten in der Brandung stehen Einheimische, die nicht schwimmen können.

Die Rettungswache am Strand war nur am Pfeifen. Ein Zeichen dafür, dass eine hohe Welle kommt, und alle zurück an den Strand sollen. Daran halten sich jedoch die wenigsten.

Was mir mittlerweile ein wenig blöd vorkommt, ist die Tatsache, dass man überall, ob auf der Straße, am Strand oder im Einkaufzentrum, angestarrt wird. Doch da wird man sich wohl dran gewöhnen. Vorgestern hatten wir ein nettes Gespräch mit einem älteren Herren, der mehr über das deutsche Schulsystem erfahren wollte, und ausnahmsweise auch richtig gut englisch sprechen konnte.

Indien ist aufregend und neu! Ich hoffe ich komme in der nächsten Zeit öfter dazu, hier ein, zwei Zeilchen zu hinterlassen. Jetzt ruft allerdings wieder der Papierkram auf dem Campus. Kopieren, Sortieren, neu aufsetzen.
Die Brücke ist übrigens noch nicht fertig. Uns fehlen noch zwei bis drei Planken, die sich partout nicht auftreiben lassen wollen...

14. August 2009

32°

Diesen Eintrag widme ich einer ganz besonderen Frau und einem Sternbild.


Endlich habe ich es geschafft ein Bild anzufügen! Das bedeutet, dass jeder folgende Eintrag auch etwas optisches mitbringen wird (hoffentlich). Das Bild zeigt übrigens die Umgebung des Hause, in dem ich für ein Jahr untergebracht bin.

Die Brücke ist noch nicht fertiggestellt Es fehlt noch die Beplankung. Leider konnten Robert und ich auf dem Campus noch nicht genügend Bretter dafür finden. Das bedeutet, dass wir wohl welche kaufen müssen.
Dafür wurde heute aber richtig angepackt:
Das Areal für den kommenden Sportbereich musste entrümpelt werden. Dort befanden sich seit Monaten alte Boote, Steinplatten, Holzboxen, etc. Jetzt ist der Bereich leer, und gesäubert, sodass wir dort bald Sportgeräte aufbauen können, um die Teilnehmer und uns bei guter Gesundheit zu erhalten, da das Essen eindeutig zum Dickwerden verführt.
Übrigens gab es heute Pasta mit Kalamaris-Soße. Super lecker!

Nach einer kleinen Bootstour überredeten wir ein paar indische Betreuer mit uns baden zu gehen. Da sie aber nicht schwimmen können, haben wir uns nur im "Pool" (der eher einem ausgehobenen Teich gleichkommt) aufgehalten. Meine Aufgabe ist damit jedoch klar:
Ich gebe Schwimmstunden. Und zwar sowohl für die Angestellten, als auch für die blinden Teilnehmer, die in 2 Monaten hier sein werden. Für heute haben sich die Beteiligten recht gut angestellt und ich bin mir ziemlich sicher, dass der Groschen bereits gefallen ist. Jetzt fehlt nur noch die Übung und ein wenig Technik.
An dieser Stelle muss ich zugeben, dass das leiten eines Schwimmkurses auf deutsch mit Kindern wesentlich einfacher ist, als auf englisch-malayalam mit erwachsenen Indern.

Apropos, wir bekommen jetzt täglichen Malayalam-Unterricht. Morgens eine Stunde Basiswissen. Eins sei dazu gesagt: Malayalam ist eine komische Sprache, die sich wirklich lustig anhört (WIRKLICH lustig) und zwei Arten von "L" kennt.

Nach dem Abendessen haben wir uns noch mit Isabel, unserer derzeitigen Leiterin und Arky, dem Computer-Freak, zusammengesetzt und gescrabbelt. Habt ihr schon mal von dem Wort "IG" gehört? Ich bin mir nicht sicher, ob dabei alles mit rechten Dingen zuging. Dennoch gewann ich zwei von drei Partien, sodass ich mich jetzt stolz schlafen legen kann...